Archiv für ‘Musikalisches’
Freie Musik
Die letzten Wochen habe ich mich, ohne strenge Zeitvorgabe und immer wieder mal, im Netz nach freier Musik umgeschaut. Hintergrund ist dass, wenn man vorhat Musik öffentlich aufzuführen, in aller Regel Gebühren an die GEMA fällig werden. Ohne es jetzt auf den Pfennig genau zu wissen wären das pro Abend (wie etwa dem wöchentlich immer Mittwochs stattfindenden ProEG im UNIWERK) pauschal so um die 20 Euro*.
Nun ist es ja bekanntlich kein größeres Problem im Netz kostenlos an Musik zu kommen. Zahllose Downloadseiten mit den verschiedensten Wegen sich das Zeug auf den Rechner zu ziehen gibt es, und werden rege genutzt. Aber weder ist das legal, noch umgeht man damit die GEMA wenn man dererlei erbeutete Musikstücke öffentlich spielt.
Die Antwort auf diese Problematik heißt Creative Commons. Das ist ein Lizenztyp womit man Werke wie Musik kopieren, verbreiten, bewerben und vorführen darf. Natürlich nur wenn der Künstler seine Kreationen unter diese Lizenz gestellt hat, und mit jeweils einer der folgenden Einschränkungen:
Attribution – Namensnennung
Attribution Share Alike – Namensnennung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen
Attribution No Derivatives – Namensnennung, keine Bearbeitung
Attribution Non-Commercial – Namensnennung, nicht kommerziell
Attribution Non-Commercial Share Alike – Namensnennung, nicht kommerziell, Weitergabe unter gleichen Bedingungen
Attribution Non-Commercial No Derivatives – Namensnennung, nicht kommerziell, keine Bearbeitung
CC erfreut sich im Netz großer Beliebtheit. Denn es ist ein einfacher Weg für kreative Menschen ihre Musikstücke, Filme, Bilder oder was auch immer mit einer fein abstufbaren und freien Lizenz weiterzugeben.
Im Netz findet man hier und da einzelne Musikstücke unter der CC, auf Seiten von den Künstlern selber oder auf der Labelseite. Ich wollte aber an ganze Alben kommen und mir so das mühselige zusammenklicken einer brauchbaren Musiksammlung ersparen.
Als erste Anlaufstelle fiel mir Comfort Stand Records ein. Dort hatte ich mir vor vielen Jahren mal den Sampler Two Zombies Later runtergeladen, den ich nach wie vor wärmstens empfehlen kann. Leider hat das Label inzwischen geschlossen. Aber nach wie vor bekommt man dort deren Erscheinungen zum freien Download angeboten. Ein etwas wunderlicher Musikmix erwartet einen, es empfiehlt sich daher vor dem saugen in die Stücke rein zu hören. Ein paar durchaus brauchbare Alben und Compilations finden sich dort aber auf jeden Fall.
Dann habe ich die mächtige Suchmaschine angeworfen und stolperte recht bald über Jamendo. Dort gibt es nach eigenen Angaben über 31.000 Alben der verschiedensten Stilrichtungen zum kostenlosen Download. Das klang mir erstmal ziemlich unglaubwürdig. Aber ich habe mal da reingeschnuppert. Man kann dort in der Tat ein riesiges Archiv an Musik durchstöbern. Sortiert nach Künstlern oder Tags findet man wirklich gute Musik. Man kann sich die einzelnen Stücke anhören, oder mit drei Klicks das ganze Album auf den Rechner ziehen. Wer wirklich gefallen an dem gehörten findet und die Künstler unterstützen will, kann über ein Formular direkt eine Spende mittels Kreditkarte oder Paypal schicken (mind. 5€/$, abzügl. Bankgebühren).
Jamendo erscheint mir als Gewinn sowohl für den Musikliebhaber, als auch für die Musiker und Bands. Denn als Konsument bekomme ich eine enorme Auswahl an Musik geboten, und die Künstler können ihre Werke einem großen Publikum vorstellen. Raubkopiert wird ja heutzutage so oder so, ich schrieb es ja schon. Der Umstand das Musik meist eh digital am Rechner oder via mp3-Player gehört wird erleichtert das Ganze zudem. Da erscheint es sinnvoll dass hier ein Weg geschaffen wurde dem Kunden qualitative Musik zugänglich zu machen, bei gleichzeitiger Möglichkeit dem Küstler einen faieren Obulus für sein Schaffen aufs Konto zu überweisen.
Also gute Musik muss nix kosten. Und mit Abmahnanwälten oder den GEMA-Scherken muss man sich auch nicht zwingend rumärgern. Einfach die Augen offen halten nach den zwei C…

* Falls das hier jemand von der GEMA liest: ätschebätsch. Bei ProEG wird jetzt nur noch CC-Musik gespielt :P
Es war nicht alles schlecht
Herrn noNsense seine Idee einmal 10 Jahre zurück zu schauen und sich seiner persönlichen musikalischen Einflüsse bewusst zu werden hat mir auf Anhieb gefallen. Darum machte auch ich mich daran eine Liste zu schreiben. Eine Zeitreise began, und so manch fast vergessenes Kleinod wurde wiederentdeckt.
Ich ordne das mal chronologisch nach Erscheinungsjahr, obgleich die gelisteten Alben nicht in dieser Reihenfolge in meine Wahrnehmung gedrängt sein müssen. Links zum schnellen reinhören und zur Band hab ich auch noch dazu getan.
Hier nun also der Versuch einer musikalischen Annäherung an meine letzten 10 Jahre.
Hekate – Sonnentanz (2000)
Ihren Ursprung im Neofolk sehend bietet die Koblenzer Band auf diesem Album Avantgardeklänge vermischt mit mittelalterlichen Versatzstücken, bombast Marschelementen und Texten dargebracht auf Englisch, Französisch, Deutsch und Jiddisch. Sehr ergreifende und kraftvolle Stücke mitunter.
Mono für alle – Mono für alle (2001)
Schlagzeug, Bass, Orgel und schriller Gesang. Mehr braucht es nicht um richtig geile Musick zu machen. Live das intensivste was ich bis dahin gesehen habe. Kontroverse Texte zwar (Amoklauf), aber dadurch hebt sich die Band wohltuend von der Masse ab. Für mich eins der besten Album der letzten 10 Jahre.
Hagalaz’ Runedance – Friggas Web (2002)
Ein Tonträger der wieder dem Neofolk zuzurechnen ist. Auf dieser Scheibe wird die Germanische Mythologie vertont und dem Umstand Rechnung getragen, dass die Sängerin Andrea „Nebel“ Haugen verschiedensten okkulten/naturreligiösen Gruppen angehört(e). Ruhige, fast schon rituelle Klänge ergänzen sich mit treibendem Trommelspiel.
Orplid – Nächtliche Jünger (2002)
Eine Perle des Neoklassischen Genres. Orplid aus Halle verstehen es vorzüglich zarten und gleichzeitig wortgewichtigen Gesang in bisweilen opulente Lieder zu verpacken, ohne dabei allzu kitschig zu wirken. Schlichte Gitarrensongs gibt es genau so zu hören wie verzerrte Sampleorgien.
Sonne Hagal – Helfahrt (2002)
Und noch einmal Akustikgitarren-betonte Musik, die aber gekonnt elektronische Samplerelemente einbindet. Diesmal etwas treibender und mehr nach vorne. Sehr schön auch der Einsatz der Geige.
Gewaltakustik – Schmerzwerk (2003)
Gewaltakustik ist ein Projekt welches sich den heftigeren Elektroschlagklängen verschrieben hat. Verzerrte Beats getragen von einer tanzbaren Melodie machen die Musik durchaus Klubtauglich. Und das Beste: die Alben gibt es gänzlich zum freien download auf deren Seite.
Pothead – Tuf Luv (2003)
Noch nie von denen gehört bis im Pirnaer Hanno ein Konzert als Ausweichgig mit denen angesetzt war. Riesige Boxentürme bis unter die Decke und ein seltsam-süßlicher Geruch in der Luft begrüßten mich. Der Name scheint Programm zu sein. Und wenn ein Sound es verdient als fett bezeichnet zu werden, dann der von Pothead. Tiefen Gitarrenakkorde und wummernde Bassläufe umrahmen gekonnt den markanten Gesang.
Forseti – Erde (2004)
Forseti aus Jena ist für mich persönlich DIE Band wenn es um deutschsprachigen Neofolk geht. Eindringliche Stücke die unter die Haut gehen gibt es zu hören, traumhaft schön arrangiert. Mit illustren Gästen wie Ian Read (Fire+Ice), Kim Larsen (:Of The Wand And The Moon:), Uwe Nolte (Orplid), B’eirth (In Gowan Ring) und Sonne Hagal wurde ein Album produziert welches für mich in dieser Zeit das vielleicht prägendste überhaupt war und den Abschluss des Schaffens von Forseti darstellte. Die Zusammenarbeit von so vielen namhaften Künstlern ist übrigens eine weit verbreiteter Sitte in der Neofolkszene. Man kennt und schätzt sich, und man hilft sich bei den Aufnahmen aus.
The Egyptian Gay Lovers – cazzo duro moto club (2004)
Schweine-Rock’n'Roll mit jeder Menge Super Sprit gepusht. Live gibt es zur Musik der ursprünglich aus Schiebock stammenden Junx immer ein ordentliches geschubse. Bei einem solchen Konzert wurde auch dieses Album erstanden, bzw. gab es das für die 5 Euro Eintritt mit dazu. Macht jede Menge Spaß der Silberling.
FabrikC – Gleichstrom (2005)
EBM-Industrial allererster Kajüte. Derbes Düstergehacke versetzt mit Sprachsamples aus verschiedensten Filmen. Geht gut ab. Alle Regler auf Anschlag und bei mir kommt Partystimmung auf.
Noisuf-X – Antipode (2005)
Ein Nebenprojekt von X-Fusion. Feinster Power Noise, voll auf die 12. Es darf getanzt werden. Clever ausgewählte Sprachsamples runden das Ganze ab.
Johnny Cash – American V (2006)
Ich gebe zu dass ich zu Johnny Cash wie wohl die meisten Leute meiner Generation erst über MTV gekommen bin. Da war er schon eine ganz große Nummer. Aber die wunderbar melancholischen Songs, die er auf diesem Album zum besten gibt, gehen vermutlich jedem ans Herz. Und erst einmal angefixt habe ich mir auch seine früheren Werke reingezogen und war begeistert. JC geht immer.
Proyecto Mirage – Gimme Your Energy (2006)
Melodisch-technioder Noise, treibende Beats und schrille Sirenen vereint zu einem Album, welches man trotz dieser wilden Mischung als massenkompatibel bezeichnen könnte. Beim Autofahren besser nur zu hören wenn die Geschwindigkeitsbegrenzung aufgehoben und die Piste frei ist.
Rummelsnuff – Halt Durch (2008)
Derbe Strommusik aus Dresden. Als er 2008 irgendwann in der Presse gehypt wurde dachte ich mir nur “omg, watt fürn Freak is das denn”. Optisch eher der Bodybuilder, überzeugte mich erst sein Auftritt beim Sommerfest, und später seine durchaus intelligenten Texte auf diesem seinen Debutalbum. Es geht um das Alleinsein und die Sehnsucht, Liebe und so Kram halt. Unerreicht das Devo-Cover “Mongoloid”.
Portishead – Third (2008)
Mit den ersten Alben von Portishead konnte ich zu großen Teilen nix anfangen. Mal abgesehen von der wundervollen Stimme Beth Gibbons. Aber dieses Album ist für mich von vorne bis hinten ein gelungenes Meisterwerk. Wie bei Machine Gun zum Ende hin diese 80er-Jahre Synthieorgel einsetzt ist grandios. In jedem anderen Kontext würde das lächerlich wirken, aber dort passt das einfach.
Kirlian Camera – Odyssey Europa (2009)
Die Itanliener haben sich in ihrer nun bald schon 30jährigen Geschichte immer mal wieder neu erfunden. Und deswegen mag ich diese Box wirklich sehr. Denn die Zusammenstellung ihres Gesamtschaffens auf 4 Silberlingen deckt alle wichtigen Phasen ab. Eher popigere Sachen gibt es genau so zu hören wie geschrieene Vertonungen von deutschen Expressionisten. Und auch ihre Ausflüge in den Neofolk sind dokumentiert. Wenn ich hier das Wort “Düsterpop” in den Mund nehme, dann durchaus wohlwollend. Die wahre Wirkung entfalltet diese Kombo aber erst live.
“Dieses Video ist nicht rassistisch”
Weil wir grad schon ein politisches Lied hatten, hier noch eins. Diesmal vermutlich nicht ganz so ernst gemeint wie das vorherige. Oder nicht, oder wie. Ich weiss nicht…
Karen Eliot & The Antifa Swingers – Dresden Neustadt 2010 – Blockadesong
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On The Verge Of Sanity – neue Website
Die fabelhafte Band On The Verge Of Sanity (ehedem als ¡Jam! bekannt) hat seit heute eine neue, eigene Präsenz im Netz. Auf der schicken, in Monochrom gehaltenen Seite findet sich der übliche Kram wie Bilder, Videos und Tourtermine. In einer eigenen Newsabteilung wird man über die Geschehnisse in und um die Band auf dem laufenden gehalten. Und selbstverständlich kann man in die Musik reinhören. Momentan gibt es leider nur kurze Stückelchen der Lieder. Aber das ist Taktik, so sollen die Leute von der Mucke angefixt werden auf dass sie immer wieder die Seite besuchen und die bald erscheinende CD kaufen.
Ich wünsche der Band hiermit auf ihrem Weg alles Gute und viel Erfolg. Vielleicht ist die neue Seite der erste Schritt zu Weltruhm und viehisch viel Kohle und so… ;)
Die Antwoord auf nie gestellte Fragen
Dieses Video hat alles was es zu einem Hit braucht: kühle Beats, Weib weibliche MitmenschInnen, Gangsterrapper, Freaks und Ninjas. Eingespielt haben es Die Antwoord aus Südafrika. Auf deren Interwebseite, welche schon wegen der Bilder ein echter Augenschmaus ist, kann man auch in das komplette Album reinhören (hört hört!) welches dieser Tage raukommt. Ein wunderlicher Mix, aber mit durchaus hörenswerten Stücken (Anspieltipps Wat Kyk Jy (dieses auch hier gejamt im Taxi), Wat Pomp, Dagga Puff).
Jetzt erst recht: Nazis am 13.2.10 in Dresden blockieren
Es ist leider ein kleiner Nachtrag zu dem vorangegangenem Artikel nötig. Nämlich haben die Repressionsorgane der BRD am Dienstag in Berlin und Dresden tausende dieser Plakate beschlagnahmt:

Man beruft sich darauf dass der Aufruf zu einer Blockade strafrechtlich relevant sei und somit unterbunden werden müsse. Ich weiss nicht in wie weit das reine zeigen dieses Plakates auf seiner Netzseite eine sich-Aneignung des Blockadeaufrufes darstellt. Darum, und nur um sicher zu gehen: Kommt alle am 13. Februar nach Dresden um sich der miesen Nazibande in den Weg zu stellen und das Schweinepack nicht wieder durch die Stadt ziehen zu lassen! Jetzt erst recht!
Hier gibt es eine Liste mit den offiziellen Kundgebungsorten (Stand 21.01.10). Falls die Polizei an dem Tag dumm nachfragt: einfach sagen dass man genau zu einer dieser angemeldeten Kundgebungen hin will. Und in Wirklichkeit dann zum Treffpunkt der Nazis durchsickern. Dieser wird erst wenige Tage vorher bekannt gegeben, also Augen offen halten ;-)
Und weil mir zu der Beschlagnahmeaktion der Staatsmacht so gar nix mehr einfällt folgt nun ein Video völlig ohne Zusammenhang:
Im Namen von…
Mehr als 500.000 mal wurde in Engeland das Lied Killing in the Name von RATM über das Weltnetz käuflich erworben. Sinn dieser über ein soziales Netzwerk gestarteten Kampagne war es, zur besinnlichen Weihnachtszeit einen weichgespülten Retortensong von Platz 1 der UK-Charts zu verbannen. Das klappte prima, allerdings bleibt ein kleiner Beigeschmack bei der Sache: beide Veröffentlichungen fanden unter dem Schirm von SONY statt. Am Ende gewinnen also immer die Großkonzerne. So oder so…
No Nation Mixtape 09
Während am 2. Oktober in der Provinz alte Helden in noch älteren Gemäuern ein halbelektronisches Konzert zelebrierten, gab es in Berlin einen “No Nation – HipHop-Jam”. Der Name war Programm, und vor dem Konzert gab es eine Veranstaltung wo der “gesunde Nationalismus” kritisch hinterfragt wurde.
Das allein wäre noch keine Wortmeldung hier wert. Aber die Organisatoren und Organisatorinnen haben ein feines Mixtape rausgebracht (ca. 70MB als rar hier downloaden). Es gibt gehaltvollen HipHop jenseits sexistischer, homophober oder dummprolliger Klischees auf die Ohren. Kann man sich mal reinziehen, auch wenn man sonst eher nix mit HipHop am Hut hat.
Anspieltipps: Conexión Musical – Fight!, Damion Davis – Moderne Kriegsführung, Schlagzeiln feat. Filou - Rosen

