Archiv für ‘Heimatkunde’
AdF und Prost
Nun denn, man begab sich also auf einen abendlichen Streifzug durch die örtlichen Gastronomiebetriebe. Zwangläufig, weil das anvisierte Etablissement am Montag leider Ruhetag hat und somit geschlossen war. Schade schade, hab ich mich doch so auf ein leckeres böhmisches Bier gefreut. Aber was solls, steuerte man eben den nächsten Spanier an. Dort wurde mangels Auswahl, und naja, ist man halt schon mal beim Spanier, ein spanisches Bier namens “San Miguel” geordert. Selbiges war nicht der Rede wert. Nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Unterm Strich einigte man sich darauf, dass man sich den Import dieses Getränkes hätte sparen können. Nachdem das Bohemia leider nicht geöffnet hatte, war dass die zweite Enttäuschung an diesem Abend.
Sei es drum, dachte man sich, und zog eine Kneipe weiter in den Pub. Hier gab es schon wesentlich mehr Auswahl, so dass man sich genötigt sah sich von der Bedienung beraten zu lassen. Aber ach. Es wurde ein Guinness bestellt, weil es ja so schön herb sein soll, und noch irgendein Rotbier (Namen vergessen). Letzteres war ganz okay, wenn auch schamlos überteuert. Genau so wie das Guinness, welches aber zudem wie eingeschlafener Fuß schmeckte. Pfui Deibel und igitt, wie kann man sowas nur verkaufen. Absolut unverständlich wie so eine Plöre solch einen Ruf und Namen hat erlangen können. Völlig Überbewertet das Zeug. Aber immerhin spielte eine Band zum Tanze auf, schon nicht übel was einem da geboten wird.
Um den Abend dann doch noch zu retten zog man weiter in ein bodenständiges Haus, welches zwar den Charme einer Bahnhofshalle hat (und wo sich zudem noch irgendwelche Kids an der Karaokemaschine versuchten), aber wo zumindest ein gutes, in der Gegend gebrautes Bier ausgeschenkt wird. *Zisch*, lecker. Beim Spiel mit den Holzklötzchen hab dann sogar ich gewonnen, damit hat sich der Abend letztendlich dann doch noch zum Guten gewendet.
Und nächste Woche auf mortek.de: Ein Streifzug durch die lokalen Trinkhallen im Niedrigpreissegment. “Blauer Affe” und “Hütter”, nehmt euch in acht….
Mitbürger von Stadt und Land…
Freiwillig tränkt uns keine Traube, die Kelter nur erpresst den Wein. Was das Volk erlangt habe, habe es sich selbst erworben, seine Herrscher haben ihm nichts geschenkt.
Wilhelm Adolph Haußner, Arzt und Stadtverordneter in Pirna, Revolutionär von 1848/49 und Aufständischer beim Dresdner Maiaufstand 1849
ohne abschließendes “e”
Peterswald heißt es. Nicht Peterswalde, wie ich bisher gedacht habe. Da war mensch nun schon so oft “drüben”, lecker essen und Kippchen holen, und trotzdem dieser Fehler. Aber nun gut, seit ein paar Jahrzehnten spricht man offiziell ja eh von Petrovice. Insofern kein Weltuntergang.
Wer sich über die Geschichte von Peterswald informieren möchte, ist mit peterswald.org sehr gut beraten. Historische Abhandlungen über Peterswald und Umgebung finden sich dort ebenso wie Kartenmaterial und viele alte Lichtbildaufnahmen. Zum Beispiel von der Übergabe des olympischen Feuers auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin.

Ein kleines Rätsel möchte ich hiermit mal wieder anschieben: Wer mir sagen kann wie hoch 1921 in Peterswald der Ausländeranteil war (in Prozent, grob gerundet reicht)*, kann wie gehabt reichlich Ruhm und Ansehen gewinnen. Also auf, und frisch an die Recherche.
* (von einer Interpretation der Fragestellung nach der Norm “p.c. – Die reine Lehre ≥ 45″ wird selbstredend ausgegangen!)
Pirna von oben
Bernardo Bellotto in Pirna
Bernardo Bellotto, besser bekannt als Canaletto, schuf zwischen 1753 und 1755 insgesamt elf große Ansichten von der Stadt Pirna. Das bekannteste Bild dürfte dabei wohl die Marktansicht mit Blick auf die Feste Sonnenstein sein.
Bild anklicken für große Ansicht (etwa 0,7mb, 3000x1666px)
Einen kleinen Einblick in des Leben des Canaletto und sein Wirken in und um Dresden gibt Oberstudienrat Dr. Otto Eduard Schmidt in diesem Text (pdf). Darüber hinaus wird kurz die Geschichte Pirnas angerissen, und dann ausführlich auf das auf dem Bild zu sehende eingegangen.
Canaletto zeigt uns auf seinem Bilde nicht die ganze Stadt Pirna, sondern ihren räumlichen und rechtlichen Mittelpunkt, den Markt, und zwar so, wie er sich dem von Westen
herkommenden Wanderer darbietet. Der Himmel ist fast klar und hell, nur im Nordosten ist
dichteres, dunkleres Gewölk versammelt. Die Bäume auf den Wällen des Sonnensteins
tragen den vollen Schmuck des Laubes und die von rechts, von Südwesten, hereinfallenden
Schatten beweisen, daß die Sonne den Zenit schon überschritten hat. Es ist also etwa die
vierte Stunde eines sommerlichen Nachmittags. Daher auch das wenig lebhafte Treiben auf
dem Markte. Man ahnt die Nähe der Sandsteinbrüche, wenn man die sauber geglätteten
Platten betrachtet, die den Markt in seiner ganzen Ausdehnung bedecken und auf denen sich die kräftigen Schatten der Gebäude und Menschen scharf von den heller beschienenen
Flächen abheben.
Sehr spannende Lektüre, nicht nur für Ortsansässige. Daher hier nochmal der Link zum ganzen Text.
Eselsbrücke
Amtshauptmannschaft Pirna
Einen spannenden Einblick in die Geschichte Pirnas gibt die Historisch-topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna von Alfred Meiche (Dresden 1927, hier als PDF). Sicher keine leichte Kost und eher für Historiker geeignet, aber dennoch für einen an Heimatkunde interessierten Menschen eine absolute Pflichtlektüre (will ich mal so sagen).
Peter Rempelt
Mit diesem Beitrag sei einem fast vergessenen Helden meiner ach so geliebten Heimatstadt gedacht, Herrn Peter Rempelt. Die komplett bebilderte Geschichte von seiner Rettung Pirnas gibt es bei pi-i.de zu sehen, viel Vergnügen damit.
Bücherverbrennung
Am 10. Mai 1933 wurden in ganz Deutschland Bücher von unliebsamen Autoren und Autorinnen auf öffentlichen Plätzen dem Feuer übergeben.
Gegen Klassenkampf und Materialismus, für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Marx und Kautsky.
In wirklich ganz Deutschland?
Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner.
Nein, nicht in ganz Deutschland. In einem kleinen mitteldeutschen Städtchen wurden keine Bücher verbrannt.
Gegen Gesinnungslumperei und politischen Verrat, für Hingabe an Volk und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Friedrich Wilhelm Förster.
Warum das? Nun, in Pirna gab es schlicht und ergreifend keine “gefährlichen” Bücher mehr. Denn schon im März 33, kurz nach der Reichstagswahl und 2 Monate vor! den Bücherverbrennungen im Rest Deutschlands, wurde die Volksbuchhandlung auf der Breitenstraße von der SA gestürmt, und “marxistische und zersetzende Literatur” auf der Kreuzung verbrannt.
Gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens, für den Adel der menschlichen Seele! Ich übergebe der Flamme die Schriften des Sigmund Freud.
Was sagt uns das? Das “Tal der Ahnungslosen” war schon damals ganz vorne mit dabei. Und wenn man sich die aktuellen Entwicklungen so anschaut, könnte man fast auf den Gedanken kommen, das miese Nazipack hat nach dem Krieg ganz einfach in der Sächsischen Schweiz überwintert und versucht nun erneut nach der Macht zu greifen.
Aber sie werden scheitern (orakel ich jetze einfach mal :P )


