Wird nun tatsächlich geentert?
Mit der noch sehr jungen Piratenpartei (die immerhin innerhalb eines Jahres ihre Mitgliederzahlen in der BRD fast ver-12-facht hat!) gab es zwar schon Auseinandersetzungen noch und nöcher, jedoch erinnert mich eine derzeitige Projektidee in der großen und allwissenden Internet-Community doch sehr an die vorgeblich postideologische Selbstdefinition der Seeräuber: die Liquid Democracy („Flüssige Demokratie“).
Ziel ist es, eine Konsensfindung in den Vordergrund zu rücken, die diskursiv erarbeitet wird. Das heißt im Klartext, dass der Weg weg von parlamentarischer Stellvertreter_innen-Demokratie hin zu einer direkten Demokratie, in der jede_r eine Stimme in die Debatte einbringen kann, die berücksichtigt werden muss.
Sehr praktisch ist auch das System, dass mensch sich nicht mit allen Themen, die anstehen, beschäftigen muss, sondern mensch seine Stimme innerhalb verschiedener Debatten an eine_n Andere_n abtreten kann, dem eine bessere Einschätzung des Themas zuzutrauen ist. Jederzeit soll mensch dieses „Stellvertreterstimmrecht“ aber entziehen können.
Gesteuert soll das ganze mithilfe einer Software über das Internet.
Klingt nach ein bisschen Utopie (teilweiser Ersatz der Legislative durch die „mündigen Bürger“) aber leider ein bisschen schöner, als wahr sein kann (zwar wird die Frage nach Partizipation gestellt, aber warum nicht gleich um eine Machtfrage erweitert? Vielleicht hätte der Staat als Verwaltungsapparat von Menschen und Gewalt (merke: das Gewaltmonopol liegt beim Staat) in Frage gestellt werden können).
Stimmen über das Internet? Schonmal was von Hackern gehört?
Wie soll eigentlich verhindert werden, dass sich sowas wie Deleuzes „Kontrollgesellschaft“ etabliert, in der der Diskurs eine unüberbrückbare Gewalt ausübt (wer am meisten klickt, gewinnt?).
Beim letzten Chaos Communication Congress wurde ein Vortrag über das Thema gehalten und auch debattiert. Hier gibts das Ganze zum ankucken.
Nunja, hoffen wir, dass sich die Debatte um die „Liquid Democracy“ auf eine breitere gesellschaftliche Basis stellen lässt, schließlich geht es um genau diese. Vielleicht lässt sich damit etwas Neues entwickeln.
In diesem Sinne: auf zu neuen Ufern!

was die piraten da versuchen ist eine sehr spannende sache und vielleicht der erste schritt in richtung die althergebrachten machtstrukturen zu hinterfragen. wenn die leute erstmal sehen dass entscheidungsfindungen auch von unten nach oben funktionieren können, statt wie bisher umgedreht, dann kann man perspektivisch auch erkennen dass dieses derzeitige staatskonstrukt eigentlich fürn arsch ist.
die piraten verfolgen vermutlich eher einen reformistischen ansatz als denn einen revolutionären. aber lieber viele kleine schritte, als einen großen wo die menschen nicht mitgenommen werden.
ich hoffe da wird eine gängige sache daraus. ich hoffe dass sich die leute diese denk- und handlungsweise verinnerlichen und man liquid democracy (oder was ähnliches) dann in möglichst vielen bereichen des lebens anwenden kann.
und wo du diesen artikel so schön gegendert, hier noch ein tipp: “hacker” beschreibt nur den männlichen teil der menschen die sich mit sicherheitsschwachstellen in edv-systemen beschäftigen. die weiblichen vertreter dieser gattung bezeichnen sich selber gerne als haecksen.
also das nächste mal ganz oder gar nicht gendern. ich bin ja für letzteres, der lesbarkeit wegen…
mich hat der hinweis auf die hacker auch gestört, nicht aus gendergründen (die überlese ich mittlerweile sowieso), sondern weil der hacker eine sicherheitslücke aufdecken, aber nicht ausnutzen würde.
schöne idee trotzdem. nur fraglich ob die basisdemokratische entscheidung das richtige ist (elbquerung!), interessant wärs auf jeden fall.
ja, mortek, da geh ich grundsätzlich mit, hinsichtlich der kleinen Schritte. Jedoch wäre es eigentlich nicht zu zuviel verlangt, den L-Democracy-Menschen ein bisschen Weitsicht abzuverlangen, oder?
und @raspunicum: ich bin leider im IT-Deutsch nicht so bewandert, deshalb zur Erklärung: ich nutzte den Begriff “Hacker” (entschuldigt bitte das nicht-gendern im Text :-P ) als Bezeichnung für jemanden, der eine Sicherheitslücke auch ausnutzt und in irgendeiner Form manipuliert. Sicher gibts da eine andere Begrifflichkeit dafür, doch die ist mir nicht bekannt. Erleuchte mich!
erleuchte dich selbst http://de.wikipedia.org/wiki/Hacker#Weitere_Assoziationen_zum_Hackerbegriff (zweiter absatz und abgrenzung), http://de.wikipedia.org/wiki/Hacker_%28Begriffskl%C3%A4rung%29
(: