Porcupine Tree – ein Abriss


Es ist wieder soweit: ein neues „Porcupine Tree“-Album erblickt das Licht der Welt. Und viele der Fans hoffen, dass es der „Vorfall“ wird, den der Albumtitel verspricht.

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Warum der Pessimismus? Tja, inzwischen scheinen die, von Band-Songschreiber Steven Wilson gegangenen Pfade durchgelatscht zu sein. Die Gefahr der Wiederholung wird akut.

Zwar hat sich der Stil durchaus verändert über die Jahre: während „The Sky Moves Sideways“ (1995) und „Signify“ (1996) die schwebend-wabernde Pink-Floyd-Hommage der Frühphase der Band zum Höhepunkt führte, führte der Weg stringent weiter hin zu kohärenteren Songstrukturen. So folgte 1999 mit dem Erscheinen von „Stupid Dream“ in logischer Konsequenz ein perfektes Pop-Album, dass sich trotzdem seiner Wurzeln bewusst war. Diese Stufe wurde schließlich mit „Lightbulb Sun“ (2000) perfektioniert.

Doch, was hätte der Start in ein mainstreamhörigeres Publikum hätte sein können, sollte nicht sein. Der Drummer Chris Maitland stieg aus und nahm seinen perkussiven Beitrag zur Musik mit. Es kamen Jahre der Selbstfindung, wo Fans nur über spärliche Livealben (Metanoia, Warszawa) erfuhren, dass die Band noch existiert.

Womit niemand gerechnet hätte, kam 2003: „In Absentia“. Ein Album, dessen Härte (emotional, wie auch instrumentell) alles bisherige von „Porcupine Tree“ in den Schatten stellte. Die gefühlvolle und doch technisch verspielte Art des neuen Schlagzeugers Gavin Harrison fügte (und fügt sich) perfekt in den Sound ein. Neue Fan-Schichten erschlossen sich, während sich die „alte Garde“ entsetzt abwandte. Und sie sollten nicht wieder angelockt werden, denn die nächsten Alben sollten kompromisslos bleiben. „Deadwing“ (2005) und „Fear of a blank planet“ (2007) glänzten durch durchstrukturierte Unstruktur, die durch Gastmusiker, wie Adrian Belew (King Crimson) oder Alex Lifeson (Rush), ergänzt wurde.
An diesem Punkt konnte man dennoch wieder erkennen, dass das Konzept, das Steven Wilson musikalisch verfolgt, nicht mehr lange so weitergehen kann. Zu vorhersehbar waren Akkordfolgen und Gesangsharmonien geworden. Einen letzten Lichtblick stellte die EP „Nil Recurring“ dar, die in 4 Songs auf den Punkt brachte, worum es bei „Porcupine Tree“ geht: Anspruchsvolle und technische Lieder, die dennoch Gefühle rüberbringen können.

Umso gespannter war man, was denn nun kommen sollte. Eine Doppel-CD sollte es werden. Aha, dachte man sich im Vorfeld: kriegt der Wilson nicht genug oder was? Nunja, man soll den Abend nicht vor dem Kater am Morgen loben, also hören wir doch mal rein!

Es ist in der Tat massiv, was einen hier überrollt! CD 1 wartet mit einem 50-minütigen Longtrack auf, der so ziemlich alle Trademarks aufweist, die „Porcupine Tree“ so zu bieten hat: wabernde, rockende und schwere Parts, elegische Soli, poppiges, metalliges und einfach nur Singer-/Songwriter. Was mich am meisten freut, ist, dass der Anteil von bratzelnden E-Gitarren zurückgeschraubt wurde. Sie waren oft maßgeblich der Grund dafür, dass die kunstvoll gestalteten, aber zerbrechlichen, Klangwelten zu Bruch gingen.
Doch was gibt’s es denn eigentlich weiter zu sagen?

Jetzt brauch kein Album mehr kommen! Das Beste, was die Band kann, ist in dieser Suite vereinigt.

Widmen wir uns CD 2. Es erwarten uns Lied-für-Lied-getrennte homogene Tracks, die durchaus Potential für neue Wege bereit halten. Während „Flicker“ noch konventionelle Wege geht, überrascht „Bonnie the Cat“ mit rythmischem Sprechgesang und schrägen Synthesizern. Schön morbide!

Allgemein könnte man hier die Vermutung anstellen, dass Wilson tatsächlich seine Bandkollegen mehr in den kreativen Prozess eingebunden hat. Vor allem Richard Barbieri (Keyboards, Synthesizer) scheint sich sehr eingebracht zu haben, was absolut positiv ist, denn seine geschmackvollen Sounds sind einzigartig in der Welt der Synthesizer!

Hoffen wir, dass dieses Album bedeutet, dass die Band sich von den Erwartungen der Fans frei geschwommen hat und man sich ab jetzt neuen Ideen widmen kann.
Doch was ist jetzt dieses Album? Nicht mehr und nicht weniger als ein fettes Ausrufezeichen, das regelrecht schreit nach einem nachfolgenden Satz!

11/15 Punkte

Geschrieben von noNsense

am 21. September 2009

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