Auch ein schönes Osterfeuer


In den Medien hat man es nur als Randnotiz mitbekommen: In der Nacht zum Ostermontag wurde auf Militärfahrzeuge in Dresden ein Brandanschlag verübt. 42 Karren wurden weggezündelt, der finanzielle Schaden beläuft sich wohl auf über 3 Mille.

Heute tauchte dann ein Bekennerschreiben auf. Dies gar lustig zu lesende Textchen, auf den Weg geschickt von einer Initiative für ein neues blaues Wunder, ist so ganz anders als vergleichbare Texte aus der “Szene”. In ihm ruht eine gewisse Schlichtheit. Keine arg verkopften Formulierungen und schwurbeligen Ergüsse, die man nur mit einem Studium der Politikwissenschaften versteht. Statt dessen Versatzstücke von Standpunkten und Positionen, die über die Grenzen des Antimilitarismus hinausgehen. Von der Stasi ist da die Rede, von Wendehälsen, es wird die BRN genannt, sowie der Slogan einer im diesen Jahr stattgefundenen Antifademo aufgelistet.

Ein wilder Mix, der, wenn man sich ihn durch den Kopf gehen lässt, allerlei Ungereimtheiten hinterlässt. Und zuoberst steht die Frage im Raum: ist dieses Schreiben wirklich von den Tätern? Wenn ja, dann scheinen mir es keine Profis zu sein. Denn mit diesem Schriebs liefern die den Cops eine prima Steilvorlage um mal prima hier und da die ein oder andere Hausdurchsuchung zu machen. Auch fehlt das weiter oben angedeutete “Linken-Neusprech”. Aber wenn das Schreiben nicht echt ist, wer hat es dann in Umlauf gebracht? Das könnten, und da lass ich jetzt mal eben ganz locker den Verschwörungstheoretiker raushängen, die Cops selber gewesen sein. Wobei ich jedoch den Brüdern und Schwestern von der Täterää diesbezüglich mehr zutrauen würde, inhaltlich. Oder aber es waren ganz langweillig und unoriginell irgendwelche Trittbrettfahrer. In letzterem Falle würde das dann vermutlich auf gefrustete alt-’89er hinauslaufen.

Na wie auch immer, wir dürfen gespannt sein. Gespannt ob noch ein Bekennerschreiben auftaucht, und darauf ob die Bundeswehr betreffend nur an Ostern mit den Streichhölzern gespielt wird. Denn Osterfeuer gut und schön, aber ich könnte mir auch ein Montagsfeuer vorstellen, und ein Dienstagsfeuer, ….

In diesem Sinne: Es gibt viel zu tun! Oder um es mit den Worten der (vermeintlichen) Gogelfritzen zu sagen: Wenn ihr nicht abrüstet, tun wir es!

Und hier der Text des Bekennerschreibens dokumentiert:

Bekanntgabe zum Brand des Bundeswehrfuhrparks auf dem Kasernengelände der Offiziersschule des Heeres in Dresden

Schwerter zu Pflugscharen, Panzer zu Gartenscheren!
Wenn ihr nicht abrüstet, tun wir es!

Es herrscht Krieg. Die Bundeswehr weitet u.a. ihren Angriffskrieg in Afghanistan im Rahmen des NATO Kriegsbündnis stetig aus. Jetzt Waffen und Kriegsgerät zerstören: Das kann jeder, das sollte sogar jeder vernünftige Mensch machen. Heute – nicht morgen, wir können nicht mehr warten. Denn Kriege werden nicht durch mehr Waffen verhindert – auch nicht durch sogenanntes “Peacekeeping”. Die Kriegstechnologie des Militärs, der Rüstungshersteller und Politiker bringt Tod und Zerstörung über die Menschen, verharmlost als Kolateralschaden und Berufsrisiko für Soldaten. Soldaten und Kriege haben auf dieser Welt nichts mehr zu suchen. Ihre Zeit ist abgelaufen. Sie tragen zu keiner Lösung sondern zur globalen Vergrößerung des Elends bei.

Unsere Erfahrung hat gezeigt, daß keine Situation unausweichlich ist: trotz Stasi und ideologischer Verblendung. Was vor 20 Jahren galt, gilt auch heute noch. Auch der neue Staat hat uns nichts anzubieten, außer den Konsum des Freiheitsversprechens, welches angeblich am Hindukusch verteidigt wird. Die Beförderung von Offizieren am 7. Oktober 2008 erstmals im Rathaus hat das Faß des Gleichmutes zum Überlaufen gebracht. Wir verurteilen militaristische Rituale in öffentlichen Gebäuden und auf öffentlichen Plätzen als Zeichen der Verbundenheit. Durch Politiker, die der Bevölkerung dienen sollten, nicht staatlich besoldeten Mördern. Uns reicht es, wir wollen die Täuschung im Namen von Demokratie und Frieden nicht länger hinnehmen. Wir tanzen nach keiner Melodie der Wendehälse mit ihren Blockflöten.

Wir müssen den Kriegen ihre materielle Grundlage entziehen. Eigenverantwortliche Abrüstungsschritte sind daher das Gebot der Stunde. Um menschenverachtendes Kriegsgerät unbrauchbar zu machen, haben wir es einfach angezündet.

Die Offiziersschule des Heeres in Dresden ist die zentrale Ausbildungsstätte der Bundeswehr. Seit 1998 durchlaufen hier jährlich mehr als 1400 Offiziere und Anwärter die Lehrgänge zum Töten auf Befehl. Auf dem Gelände existieren Gefechtsstandsimulatoren, in den Hörsälen wird Taktik, Logistik und Geschichte gelernt: Kriegswissen. Das Wappen der Offiziersschule glorifiziert mit seinem eisernen Kreuz “das Soldatentum seit 1813 über alle Kriege und politischen Veränderungen hinweg”. “Der Schildgrund symbolisiert” passend “in Rot die Bindung des Soldatenberufes” an den Mord anderer Menschen “bis hin zur Aufopferung des eigenen Lebens” als kümmerlicher Held.

- Keine wieteren Militärrituale vor der Semperoper!
- Schluss mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehrfahrzeuge!
- Keine Inlandseinsätze von Soldatenberufe!
- “No pasaran” für kriegsverherrlichende Neonazitruppen und deren alljährlichen Aufmarsch im Februar!
- Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus!

Aus der Proklamation der Regierung der Bunten Republik Neustadt: “Jede Verherrlichung von Krieg, Militarismus, Faschismus und Rassismus ist in der BRn verboten (…)”

In Erinnerung an Jorge Gomondai, der von rassistischen Jugendlichen aus der Straßenbahn geworfen wurde und dadurch am 6.4.1991 im Alter von 28 Jahren verstarb.

Initiative für ein neues blaues Wunder”

Ein Artikel zum Thema bei Telepolis

Geschrieben von mortek

am 16. April 2009

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