Archiv für Mai, 2007
Kidpunx verpisst euch!
Etwas verspätet zwar, hiermit aber trotzdem und anlässlich der alljährlich-sinnfreien Ausschreitungen zum ersten Mai in Berlin:
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Aufstieg vollbracht
Ein 2:2 reichte am vorletzten Spieltag gegen die SGD’ler, um nach vier Jahren endlich wieder in die zweite Bundesliga aufzusteigen. Die Redaktion von mortek.de gratuliert dem FC St. Pauli auf diesem Wege von Herzen, und wünscht der SGD im nächsten Jahr etwas mehr Glück.

Freiheit geht nur aus Anarchie hervor
Nicht darauf kommt es an, dass die Macht in dieser oder jener Hand sich befinde: die Macht selbst muss vermindert werden, in welcher Hand sie sich auch befinde. Aber noch kein Herrscher hat die Macht, die er besaß, und wenn er sie auch noch so edel gebrauchte, freiwillig schwächen lassen. Die Herrschaft kann nur beschränkt werden, wenn sie herrenlos – Freiheit geht nur aus Anarchie hervor. Von dieser Notwendigkeit der Revolution dürfen wir das Gesicht nicht abwenden, weil sie so traurig ist. Wir müssen als Männer der Gefahr fest ins Auge blicken und dürfen nicht zittern vor dem Messer des Wundarztes. Freiheit geht nur aus Anarchie hervor – das ist unsere Meinung, so haben wir die Lehren der Geschichte verstanden.
Carl Ludwig Börne, um 1825
ohne abschließendes “e”
Peterswald heißt es. Nicht Peterswalde, wie ich bisher gedacht habe. Da war mensch nun schon so oft “drüben”, lecker essen und Kippchen holen, und trotzdem dieser Fehler. Aber nun gut, seit ein paar Jahrzehnten spricht man offiziell ja eh von Petrovice. Insofern kein Weltuntergang.
Wer sich über die Geschichte von Peterswald informieren möchte, ist mit peterswald.org sehr gut beraten. Historische Abhandlungen über Peterswald und Umgebung finden sich dort ebenso wie Kartenmaterial und viele alte Lichtbildaufnahmen. Zum Beispiel von der Übergabe des olympischen Feuers auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin.

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Ein kleines Rätsel möchte ich hiermit mal wieder anschieben: Wer mir sagen kann wie hoch 1921 in Peterswald der Ausländeranteil war (in Prozent, grob gerundet reicht)*, kann wie gehabt reichlich Ruhm und Ansehen gewinnen. Also auf, und frisch an die Recherche.
* (von einer Interpretation der Fragestellung nach der Norm “p.c. – Die reine Lehre ≥ 45″ wird selbstredend ausgegangen!)
Auf einer Tournee durch Deutschland – Celle
Merz und Merkel sind eher geeignet für eine Light- als für eine Leitkultur. Literatur, Philosophie- und Kulturgeschichte sind für sie ziemlich schwer. Allein durch den umfassenden Blick wird ersichtlich, daß sich Kultur weder für Multi noch für Leitung eignet. [...]
Eine heftige Diskussion im Zug auf dem Weg nach Hause. Ein überzeugter Leithammel sitzt mir gegenüber und will mir erklären, dass er die Merkel in Ordnung findet. “Allein, wie sie austeilt…”, schwärmt er. Was teilt sie aus und an wen? Langsam kommen wir im Gespräch von den Wahlen weg und ich frage ihn, ob er mir zeigen könne, auf welche Weise und in welcher Hinsicht seine Kultur mich leiten solle. Er ist Vertreter einer einzigen Leitkultur und ich trage eine fremde Kultur in mir, die aus einem chaotischen Konglomerat besteht. Fangen wir also an: Was weiß er über Goethe? Nur ein wenig aus der Schulzeit, vor allem ein bisschen von Werther. Ich nenne einige Werke des Meisters. Doch er muss passen. – Heine? Keine Reaktion. – Adorno? Nie gehört. Oder doch. “War das nicht ein Jude?” “Doch, doch aber er hat so viel auf Deutsch geschrieben, wie Sie wiegen.” Der Mann mir gegenüber ist ein Technokrat und hat von der Philosophie und Dichtung seines Landes keine Ahnung. Von Frankreich, Spanien, Italien kennt er die Ferienorte und ein paar Speisen. Von Arabien das Erdöl und den Satz “Allahu Akbar”. Und so etwas will Leithammel spielen, da kann ich mir vorstellen, wo die Herde endet, die ihm folgt.
Draußen senkt sich der Abend über Frankfurt. Ich muss umsteigen.
8. Mai
Tag der Besatz Befreiung. Vollständig: Tag der Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus. War gestern. Und schon wieder hab ich ihn verpasst, und nicht auf die ruhmreiche Armee angestoßen wie sich das gehören würde. Auf die rote Armee zum Beispiel, um hier mal keine falschen Missverständnisse aufkommen zu lassen.
Dann halt nächstes Jahr, zum 63sten.
ohne Worte
Gastbeitrag: Retro im Hanno-Günther-Heim
Manchmal lese ich in Yuppie-Zeitungen Berichte über das Ausgehen, das Nachtleben in großen Städten, in denen die jungen Singles, Praktikanten und Durchstarter durch Clubs ziehen und jeder weiß wos abgeht.
Und frage mich, ob nicht ein Mensch dieser Zeitungswelt auch aus der Provinz kommt, wo es noch Dorfdiskos gibt, in denen seit Jahren die selbe Musik kommt.
So ist das nämlich hier. So richtig mag man es nicht mehr, wann man Ü18 ist und trotzdem findet man sich gelegentlich wieder zwischen tanzenden, hoffnungsfrohen Mädchen mit Ballerinas, Haarreifen und Unterhemdchen. Hört die Uhr ticken und versucht auf diese Weise vielleicht selbst noch einmal 15 zu sein. So stehen wir also an der Bar, mit Cola und Mädchen-Bier und plötzlich sagt Anne* “Bestimmt denken alle, wir holen jemanden ab”. Blöderweise dachte ich zuerst an Rettungssanitäterinnen. Dann wurde mir klar, dass sie das Generationsproblem meint… Wir, die Muttis, warten auf „Unsre“. Mädchen oder Junge bleibt uns bis zum Ende unklar, und so richtig will uns „keins“ gefallen. Es ist ja auch kein Partygast dabei, bei dessen Anblick man sich den Vater vor den Traualtar wünscht, statt dessen, sagen wir meist empört, das is ni „meine“. Wir finden nicht mal ein unterernährtes Mädchen mit Hirnschaden, dessen Mutter in der Schwangerschaft zu wenig gegessen hat. Dann taucht der Junge mit dem Penny-Beutel und dem grünen Basecap auf. Anne* überlegt kurz “Könnte das meiner sein?” Sie hat ihm extra den Beutel mitgebracht, mit Essen in einer Tupperdose und Wechselsachen, falls er geschwitzt hat. Doch irgendwie finden wir auch ihn zu eigenartig, zu fern ihn uns am sonntäglichen Frühstückstisch vorzustellen. Das Mädchen neben ihm wirkt von hinten ganz annehmlich, nicht gerade Super-Emo, aber immerhin. Leider steht sie mit ihren neuen Turnschuhen in einer Lake aus Bier, fast als hätte Steve* kurz zuvor mit Flasche getanzt. Aber so kann ich sie unmöglich mitnehmen, das ganze Auto würde stinken.
Neben uns taucht ein noch älterer Typ mit langen Haaren auf und Anne* sagt erleichtert “Die dritte Generation, der holt uns ab.” Mittlerweile hat Kisa schon einen leichten Hörsturz, mir schmerzt der Rücken und schon bei der Ankunft war klar: “Hier wer mer ni alt.” Zumindest heute Abend nicht, insgesamt bleibt es noch zu fürchten. Wir beschließen, kurz Luft zu schnappen, in einem schmalen Gang im Eingangsbereich, wo ein Mädchen ohne Unterhemd auf kalten Fließen sitzt, und ich kann den Gedanken mit der Nierenentzündung beim besten Willen nicht unterdrücken. Kann sein, dass Emos das nicht stört. Aber trotzdem. Wir warten, um uns stehen andere Menschen, wären sie älter, könnten auch sie auf „ihre“ warten. Anne* sagt “Zehn Minuten geb ich meiner noch, dann geh ich rein.” Letztendlich gehen wir zusammen rein, den Wunsch das passende Kind zu finden, aufgegeben. Mit der Aussicht, irgendwann bei Tokio Hotel zu enden. Ich muss schon sitzen, während das Mädchen mit dem Bandwurm und der Bauchtasche singt und ins Mikrophon haucht, was sie für Portishead hält.
Nicht mal an der Garderobe herrscht reges Treiben, nur vereinzelte Gestalten fordern ihre Handys, Jacken und Sonnenbrillen. Nur Marek*, der ein Taschenmesser sucht und dabei so eigenartig, umnachtet über seine Brillengläser schaut, kommt vorbei. Nicht mal mehr das verkraften wir.
Schließlich verschwinden wir in den Regen, schnell ins Auto und mach bloß die Heizung an. Ein nicht löschbarer Abend und das hoffnungsfrohe Gefühl, dass es trotzdem noch schön ist.
* Namen von der Redaktion geändert

