Dr. Dobsche und das Röntgenzimmer
Erfahrungsbericht einer Überlebenden.
18:12… 18:13, man kann es nicht mehr mit Sicherheit sagen. Die Heimat war nah als quietschende Reifen das Unglück ankündigten. Die Bremsen des Polos gaben alles und die Helden des Tages blieben tatsächlich mit gehörigem Abstand hinter dem plötzlich bremsenden schwarzen Auto (welches auch nur Opfer des vor ihm befindlichen Gefährts war) stehen. Puuuhhhh… das ging noch mal gut – dachten die Insassen, als sie im selben Moment ein verräterisches Scheppern vernahmen, der gute Polo einen Satz nach vorne machte und sämtliches unangenageltes Inventar vornehmlich dem Beifahrer um die Ohren flog. „Wenn ich mir es jetzt ganz doll wünsche, dann ist nicht das passiert, was ich denke…“
Da sich die Szenerie aber auch innerhalb einer endlosen Minute nicht veränderte, stieg man aus, um sich den kleinen Kratzer mal anzuschauen. Beim Anblick des Zustands des Täterfahrzeugs (Hyundai 92er Bj. – „Hehehe Alte, kann ich mir endlich ’n Neues kaufen“) kündigten sich jedoch schon Ohnmacht, Herzrhythmusstörungen und Schweißausbrüche an, was nur noch durch ein aufkommendes Übelkeitsgefühl komplettiert wurde, als sich das Ausmaß des Schadens am Heck des Polos den Helden offenbarte. Während die Fahrerin fassungslos in den Scherben stand, kümmerte sich der Beifahrer geistesgegenwärtig und gefasst um den weiteren Ablauf der Ereignisse. Der recht schnell erschienene POM B. und sein Kollege PM U. (Gruß) erledigten die Sache rasch und aufmunternd („Was’n los? Hä, was’n los?“ „Fühlen Sie sich geohrfeigt… mündlich geohrfeigt“), so dass nicht viel Zeit blieb sich zu ärgern, dass das McDonalds Werbeschild wohl nicht einmal das Gewicht eines normalgewichtigen Sterbewilligen aushalten würde (ein Hoch auf den Kapitalismus), vom Fehlen des restlichen Zubehörs ganz zu schweigen. Zum Glück war H.-J. H. geständig und zweifelte seine Schuld nicht an („Was soll’s wenn ich von der Versicherung hochgestuft werde, ich kann mir endlich ’n neues Auto kaufen“). Es blieb für unsere Akteure dann nichts anderes übrig, als im nicht vorhandenem Sturm und Regen auf den Gelben Engel zu warten, der sich des Kranken annahm und ihn und seine ehemaligen Insassen zur Final Destination fuhr… (es sind Gerüchte im Umlauf, dass sich dort auch das legendäre Fahrzeug – äääähhhhmmm die Reste davon – des Uwe L. befand[en]).
Szenenwechsel: Die Nacht war überstanden und die Hoffnung gestiegen, als sich die Fahrerin mit den am Vortag vergessenen Papieren („Was haben Sie gelernt, wo sich Führerschein und Fahrzeugschein befinden sollten?“) auf zur Unterbringung ihres geliebten Fahrzeugs machte. Der anwesende Gutachter („So schnell verliert man ein Familienmitglied!“) zerstörte jedoch ihre Träume im Nullkommanichts, versprach aber ALLES Mögliche zu tun, um soviel wie möglich rauszuholen…
Schwer mitgenommen und eine Peitschenhieb-Verletzung und dessen Spätfolgen fürchtend, sollte ein Besuch in der Notaufnahme des Pirnaischen Krankenhauses folgen („Sch*****, bin ich überhaupt noch versichert?“). Also wankten die beiden Hauptakteure am frühen Nachmittag dem Geruch von Krankheit und Tod hinterher und fanden sich in einem noch halbleeren Wartezimmer wieder. Sie vertrieben sich die Zeit mit der Suche nach Stellenanzeigen – uuups falsche Seite – KFZ-Angeboten. Einer ärgerte sich über schief hängende Bilder, die andere über den schlechten Service („Ich brauch ’nen Kaffee“) und alle wurden hin und wieder genervt von einem Telefonautomaten (?), der lautstark den Jackpot versprach. Nachdem Kranke und Gesunde in die Hallen der Heilung eingelassen wurden und wieder herauskamen, Kinder abgegeben wurden („Aber Sie müssen ihn nachher wieder abholen!“) und darüber gestritten wurde, nach welchem System die Leute aufgerufen werden, durften die sich krank fühlenden Helden eintreten. „Wer ist wer? Sie da rein und sie da rein. Es kommt gleich jemand.“ Das war nicht zuviel versprochen. Als man sich noch damit beschäftigte, wohin mit seinen Sachen in dem verkeimten Zimmer, erhellte sich auch schon der Raum und eine Erscheinung in Gestalt des Dr. Dobsche trat ein. Es wurde kurz über Tätowierungen geplaudert, dort und da gedrückt und der Kopf einmal um die eigene Achse gedreht, als die Diagnose („Is alles in Ordnung.“) gestellt wurde. So schnell wie er gekommen war, war er auch wieder verschwunden um sich dem zweiten Unfallopfer („Sie haben das Gleiche?“) zu widmen. Diesem wurden zumindest Röntgenaufnahmen versprochen, was in der zuerst Untersuchten die Vermutung aufkeimen ließ, dass es sich hierbei sicher um einen linksnationalen Arzt handelte. Aber was sollte man machen. Das Ende des Tagesausflugs im Blick warteten die beiden im Gang vor dem Röntgenzimmer („In Russland kann’s nicht schlimmer aussehen.“) und wurden mit kranken, alten, halbtoten Menschen behelligt, die von rechts nach links und von links nach rechts an ihnen vorbei geschoben wurden (was nicht halb so schlimm war, wie der Kaffeeduft aus dem gut gefüllten Pausenraum neben ihnen). Nachdem eine unglaubliche Arbeitsineffizienz des Personals festgestellt und ein viel später Gekommener bevorzugt wurde, wurde das zu röntgende Unfallopfer ins Umkleidezimmer gesperrt („Hä, wieso is’n hier keine Klinke?“). Berichtet werden kann nur von außen, was angesichts der eigenartigen Geräusche, die aus dem Röntgenzimmer drangen, wohl ausreichend ist. Nachdem die im Gang Verbliebene sich langsam fragte, ob sie zu einer Rettungsaktion des schon viel zu lang im Strahlenzimmer Festgehaltenen ansetzen sollte, tauchte der verschollen geglaubte Dr. Dobsche wieder auf. Er rannte ins Röntgenzimmer zu dem auf den Röntgentisch Gefesselten („Sind sie grad dabei oder fertig?“), stellte nach eingehender Betrachtung der Bildchen auch hier die Diagnose („Is alles in Ordnung.“), rannte wieder raus und rief den beiden seine Verabschiedung zu („Fahren Sie vorsichtig!“).
Um viele Erfahrungen reicher, ein Auto ärmer und mit der unbeantwortet gebliebenen Frage „Warum hat der uns nicht wenigstens irgendwas verschrieben?“ („Lithium- I wanna stay in love with my sorrow“) machten sich die beiden Helden zu ihrem nächsten Ziel auf…
Wir blicken ihnen nachdenklich hinterher und wünschen alles Gute auf ihrem weiteren Lebens- und Leidensweg.

schön geschrieben, gefällt mir. nochmals mein herzliches beileid an dieser stelle.
ja, inzwischen bin ich ausgeschlafen.
[...] Es nützte die ganze Schrauberei nix. Irgendwo zwischen LE und Dresden liegt jetzt ein Auspuff rum. Dafür hat die Karre nun einen fetten Sound… (irgendwie wirkt sich die Kombination von VW’s Kleinstem und Bring/Holdiensten für unsre Kleinste negativ auf die Transportmittel aus) [...]
Gestern gelernt: Die Peitschenhiebverletzung kann nicht anhand von Röntgenstrahlen diagnostiziert werden. Nur können damit Strukturverletzungen der Halswirbelsäule entdeckt werden.