Kino der 10er Jahre
Tja, was nun folgt ist die logische Konsequenz der Alben-des-Jahrzehnts-Liste: die Filme, die mich am meisten von 2000-2009 umgehauen haben.
Die Reihenfolge ist zufällig:
Children Of Men (2006)
Durchaus mehr im Action-Genre verortet, kommt dieser Film von Regisseur Alfonso Cuarón sehr schwermütig daher. Die Bevölkerung der Erde kann sich nicht mehr fortpflanzen. Die jüngsten Menschen werden gefeiert wie Stars. Die Lage ist hoffnungslos. Von der Regierung werden schon Selbstmord-Pakete verteilt.
Doch es scheint einen Hoffnungsschimmer zu geben…
Juno (2007)
Gespielt von Ellen Page erwacht der Charakter Juno zum Leben und zeigt sehr authentisch wie ein minderjähriges Mädchen mit dem “Problem” einer unerwarteten Schwangerschaft umgeht.
Ein sehr lebensfroher Film, der sich v.a. durch seinen teilweise sehr dunklen Humor auszeichnet.
Survive Style (2004)
Ein Monstrum von Film, der sogar für sein Herkunftsland Japan sehr ungewöhnlich ist. Atemberaubende Bilder, die in ihrer Farbenpracht fast blenden und collagenhaft aneinandergereihte Story-Fetzen, die jedes Genre mal kurz streifen, lassen einen begeistert aber dennoch ratlos zurück.
Lady Vengeance (2005)
Der dritte Teil der Rache-Trilogie des koreanischen Regisseurs Chan-Wook Park treibt die Ingredenzien der ersten zwei Teile auf die Spitze. Bilderflut, Brutalität und ein mächtiger Soundtrack umrahmen die Geschichte der Rache einer Frau.
V wie Vendetta (2005)
Eines meiner “Guilty Pleasures”. Eine Comic-Verfilmung der Wachowski-Brüder, die sich zuvor der Erschaffung und schließlich auch Zerstörung der Matrix-Filme schuldig gemacht haben. Dieser Film hier allerdings glänzt durch seine eindringliche und aufbrausende Machart. Zusammen mit Natalie Portman in der Hauptrolle, einer kontroversen Story und (einmal mehr) einem packenden Soundtrack, zieht er mich jedesmal ins einen Bann.
28 Days Later (2002)
Der Horror-Streifen, der das Zombie-Genre revolutionären sollte (okay, ja, technisch gesehen sind das keine Zombies) und mit seiner Atmosphäre, die einem ein völlig aufgegebenes Großbritannien sehr realistisch nahe bringt.
Vor allem die Szene, wenn am Anfang die Hauptperson durch ein menschenleeres London läuft, untermalt mit einem Track der Post-Rock-Band “Godspeed You, Black Emperor”, hinterlässt einen starken Eindruck.
Eternal Sunshine Of The Spotless Mind (2004)
In Deutschland unter dem unglaublich dämlichen Titel “Vergissmeinnicht” erschienen, markiert der Film die Fortsetzung einer Freundschaft zwischen dem sehr visuellen Regisseur Michel Gondry und dem “Mann für komplexe Storys” Charlie Kaufman. Es wird die Geschichte eines Mannes erzählt, der sich dafür entscheidet, mithilfe einer Maschine sich die Erinnerung an seine Verflossene entfernen zu lassen, aber während des Prozesses sich dagegen entscheidet und (buchstäblich) um sein Leben kämpft. Gespielt wird diese Person von niemand anderem als Jim “Die Maske” Carrey. Niemals hätte ich ihm das zugetraut, doch er überrascht hier seeehr positiv.
Manderlay (2005)
Thematisiert wird hier die Sklaverei in den frühen USA, moralisches Ringen, sowie der Kampf für etwas Besseres. Das erstaunliche an dem Film ist, dass es praktisch keine Kulissen gibt, bzw. dass Häuser und Straßen usw. nur als Umrisse auf den Boden gemalt sind. Nur das Nötigste, wie ab und an eine Zimmereinrichtung oder der Zaun mit Tor sind zu sehen. Damit ist mensch gezwungen sich absolut auf die Schauspieler zu konzentrieren. So kann mensch Zeuge werden, wie Bryce Dallas Howard sich um Kopf und Kragen spielt (im positiven Sinne) und es der Höhepunkt ihrer Karriere (neben ihrem Auftritt in “The Village”) wird.
Pan´s Labyrinth (2006)
Die Geschichte der Realitätsflucht eines Mädchens, die hier Aufgaben eines Pan lösen muss, um am Ende als Prinzessin wieder in ihr Reich aufgenommen zu werden, eingebettet in die raue Brutalität des Spanien von 1944 in dem sich Anarchisten mit dem herrschenden faschistischen Regime anlegen. Trotz und gerade wegen der Mischung aus historischem und fantastischem Material funktioniert dieser Film!
Nennungen ehrenhalber:
The Dark Knight, XXY, The Descent, Hot Fuzz, Burn After Reading, Hard Candy, Hautnah, Interview, Mulholland Drive, The Machinist, Lost In Translation, Underworld, Flutsch und Weg,
Reinfälle und Enttäuschungen: Herr der Ringe 2+3, Zack and Miri make a porno, Underworld 3, Knowing und sicher noch viele mehr, die mir aber nich mehr einfallen…
Touristische Heimaterschließung
Heute mal ganz spontan auf die Bastei gefahren und runtergeklotzt. Und Fotos gemacht. Wegen Panorama bloggen, dacht ich mir.
Rückzugs feststellen müssen: im Kaufland gibt es keine Tischtennisbälle. Im Baumarkt auch nicht.
Also hier nun das nicht wirklich gelungene Panoramabild. Miese Handyknipse und das widerspenstige Geländer rechts sind Schuld. Anklicken um zur ziemlich großen Vollansicht zu gelangen:
Linkwurst #08
Links der Woche: zum einen das hier, weil ich ja so einen elend simplen Humor habe. Bitte wieder den Sound hochdrehen. Und dann mit dem Techno Wikinger einen Klassiker.
http://www.b3ta.com/board/9936132
http://twiturm.com/2ju2p
http://www.youtube.com/watch?v=eDARfDJw80s&feature=related
http://nichtlustig.de/comics/full/091015.jpg
M. – Eine Stadt sucht einen Schwerenöter
Nach kaputten Scheiben, verprügelten Passant_innen und angezündeten Autos durch Nazis, kam gestern endlich eine entsprechende Reaktion: eine Kundgebung, wo alle Geschehnisse nochmal aufgearbeitet und verurteilt werden konnten! Jawoll, ein Fanal direkt vor der Stadtrats-Sondersitzung, in der sich mit Mirko Liebschers (seines Zeichens NPD-Stadtrats-Urgestein) Rolle am 13. Februar 2010 in Pirna auseinandergesetzt werden sollte.
Nachdem alle Redebeiträge beendet und alle Fotos für die Presse geschossen waren, dachte ich mir, dass ich, als neugieriger Geist, bei der Sitzung natürlich nicht fehlen darf. So begab ich mich alsbald ins Innere des Rathauses.
Es dauerte einige Zeit bis sich Stadtrat und Gäste irgendwie sortiert hatten. Eine neue Sitzordnung brachte einiges Chaos in den großen Ratssaal. Und das dann auch noch Faschisten in die eine Ecke und die Normalos in die andere Ecke kamen, setzte der Realsatire durchaus noch die Krone auf.
Was ist jetzt aber eigentlich mit unserm Mirko, der “Pirnschen Marke”, bekannt von so eindrucksvollen Zeitdokumenten, wie diesem hier?
Ihm wird vorgeworfen und er bestätigte das auch, Busse voller Nazis nach Pirna koordiniert zu haben, damit diese ihre Fahrzeuge sicher abstellen können, um dann gemeinsam im Zug nach Dresden zum “Trauermarsch” der JLO fahren zu können. Dass dieser jedoch durch ein breites Bündnis blockiert werden konnte, scheint die Kameraden allerdings sehr frustriert zu haben, sodass es zu oben erwähnten Vorfällen kam.
Herrn Liebscher ward nun vorgeworfen, dass er mit seiner Nazi-Bus-Koordinierung Schaden über Pirna gebracht hätte, was gegen seinen Stadtratseid verstoßen würde.
Wie hat sich M. nun verteidigt? Ich werde einfach ein paar Zitate hier verewigen, die ich während seiner “Ausführungen” notiert habe:
…es stimmt und das bestreite ich auch gar nicht, dass ich am Vormittag bis Mittag des 13.2.2010 Busse von Teilnehmern des JLO-Aufmarschs nach Pirna zum Parken gebracht habe…
In dieser Zeit ist es zu keinen Randalen gekommen.
Ich war nicht an den Vorbereitungen der Spontandemo beteiligt.
Von der Demo hab ich nur das Ende mitbekommen.
Wer Unwahrheiten verbreitet (wohl über ihn oder die NPD – Anm. d. Verf.), muss mit den Konsequenzen rechnen.
Interessante Anekdote am Rande auch, dass ein Text auf der Internetseite des hiesigen Kreisverbandes der NPD, die marodierenden nationalistischen Horden mit den Bürger_innen vergleicht, die 1989 “die Wende herbeidemonstrierten”.
Aber der Rechtsstaat interessiert auch die SPD-Genossen herzlich wenig, wenn von Gerichten eine Entscheidung getroffen wird, die ihnen politisch nicht paßt. Wenn, wie am vergangenen Samstag geschehen, die Polizei augenscheinlich angewiesen wird, Blockierer ungehindert aufmarschieren zu lassen, um Straßen sowie Bahngleise zu besetzen und hiernach ein linksradikaler Straßenpöbel sich frei in seiner inländerfeindlichen Wut entfalten kann, dann müssen sich die politisch Verantwortlichen nicht wundern, daß die Bürger wie 1989 ihrer Wut Luft machen. Daß dabei die Scheibe eines SPD-Bürgerbüros beschädigt wurde, ist vor dem Hintergrund des Gesamtgeschehens, der von der linksradikalen SPD, die mit den SED-Nachfolgern immer häufiger paktiert, nicht verwunderlich. (NPD Sächsische Schweiz – 17. 2.2010)
Dass M. Liebscher nicht weiß, von wem dieser Text ist und sich auch davon distanziert, brachte ihm nicht nur das spöttische Lächeln einiger Gäste ein, sondern sogar Kritik seiner “Kamerad_innen”, die sich wohl vom parlamentarischen Arm ihrer “Bewegung” einmal mehr im Stich gelassen sahen.
Zum Schluss bleibt nur zu sagen, dass es im Prinzip keine neuen Erkenntnisse gab, außer, dass die demokratischen Fraktionen inzwischen durchaus geübt darin sind, Resolutionen gegen Gewalt zu verabschieden.
Auch überrascht war ich, wie geübt der neue Oberbürgermeister Hanke, die Sitzung leitet (dabei war es seine erste) und, dass er doch souverän mit der etwas angespannten Stimmung umgehen konnte.
Allerdings sollte er wirklich damit aufhören, die Teilnehmer_innen der Nazispontandemo am 13.2. als “Chaostouristen” zu bezeichnen, das geht am Kern vorbei. Komm Klaus-Peter, nenn das Problem beim Namen: es waren Nazis!
Autoren-Wirrwarr
Seit nun auch schon über einem halben Jahr schreibt Herr noNsense hier immer mal wieder einen Artikel. Das habe ich nirgends extra erwähnt oder besonders darauf hingewiesen. Denn schon fast seit Anbeginn von mortek.de gibt es verschiedene Menschen die diese Seite mit Gastbeiträgen bereichern.
An dieser Stelle Dank und viele Grüße an donna, kat ze, M.Mulligan, raspunicum und natürlich auch noNsense.
Nun ist mir aber in Gesprächen mit der werten Leserschaft aufgefallen, dass nicht immer in der nötigen Deutlichkeit wahrgenommen wird wer nun Artikel XY verfasst hat. Im Regelfall wird dann mir die Urheberschaft zugeschrieben.
Damit in Zukunft etwas klarer wird wer hier gerade schreibt, habe ich eine kleine visuelle Hilfe eingebaut. Unterhalb der Artikel steht nun nicht mehr nur der Name des Autors, sondern ab sofort ist da auch ein kleines Bildchen zu sehen. Meine Wenigkeit erscheint als graue Eminenz eher dezent mit dem Hintergrund verschmelzend, wohingegen meine Mitschreiber und Mitschreiberinnen farblich meist etwas hervorstechen.
Ich hoffe so werden in Zukunft eventuelle Unklarheiten vermieden und die Lorbeeren gerechter verteilt. Denn: Ehre wem Ehre gebührt!
Seifenblasen und heiße Luft
Heute gab es in Pirna einen “Flashmob”. Ich setz das mal ganz bewusst in Anführungszeichen, denn irgendwie hat es bei der Umsetzung ein wenig gehapert. Nach meinem Verständnis eines Flashmobs taucht auf einmal eine Menge Leute irgendwo auf, die irgendetwas verrücktes/witziges/sinnfreies tun, um wenige Minuten später wieder im Nichts zu verschwinden. Nicht in Pirna. Dort wird sich schon rechtzeitig und unübersehbar am Ort des Geschehens getroffen. Dann wird der “Flashmob” durchgeführt, und danach in aller Ruhe und vor Ort bei einem gemütlichen Schwatz ausgewertet.
Nix Flash (=Blitz), nix mob (=aufgewiegelte Volksmenge, Pöbel). Es sollte im übrigen die Kürzungen in der Jugendarbeit thematisiert werden. Dazu wurden passenderweise Seifenblasen in den verregneten Himmel geschickt.

Da stand ich also ein wenig belustigt am Rande herum, als mir folgende Petition wegen der Nazi-Sponti samt Steinewerferei am 13. Februar und dem weggezündeltem Auto von Lutz Richter ein paar Tage später unter die Nase gehalten wurde:
Die Unterzeichner unterstützen die vereinbarte Erklärung der Stadträte zur Sitzung am 02.03.2010:
Erklärung zu den Vorfällen nach dem 13. Februar 2010 in Pirna
„Der Oberbürgermeister und die demokratischen Fraktionen des Pirnaer Stadtrates von CDU/FDP, Die Linke, Freie Wähler, SPD/Die Grünen und Pirnaer Bürgerinitiative verurteilen die gewaltsamen Anschläge und Übergriffe im Nachgang des Gedenkens „Dresden, 13. Februar“ in unserer Stadt auf das Schärfste! Die Ereignisse stellen einen nicht hinnehmbaren Anschlag auf die gesamte Bürgerschaft Pirnas dar, bedrohen das friedliche Miteinander und beschädigen Pirnas Ansehen und das der gesamten Region.
Wir finden es bestürzend, dass die NPD diese Anschläge öffentlich rechtfertigt! Wenn Gewalt von einer im Stadtrat sitzenden Partei als legitimes Mittel bezeichnet wird, ist das für uns ein unhaltbarer Zustand. Wir fordern die Stadträte der NPD daher auf, sich von den Vorfällen öffentlich zu distanzieren.
Pirna ist eine tolerante und weltoffene Stadt, die jedes Jahr mit vielfältigen Aktionen – wie dem Markt der Kulturen – ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzt. Rechtsextremismus hat in unserer Stadt keinen Platz.“
Die UnterzeichnerInnen fordern zudem von den NPD Stadträten Liebscher und Dr. Rose entsprechend ihrer Verpflichtungsformel, Schaden von der Stadt abzuwenden, ihre Mandate niederzulegen und damit die Konsequenzen aus den Ausschreitungen und Übergriffen zu tragen.
Den letzten Absatz habe ich dort schon gar nicht mehr gelesen. Denn ich finde es nicht unterstützenswert die NPD-Heinis aufzufordern sich von den Geschehnissen zu distanzieren. Die sollen ruhig mal ihr wahres Gesicht zeigen, denn dadurch werden die Saubermänner erst angreifbar.
Als ich dann noch las dass Pirna eine tolerante und weltoffene Stadt sein soll habe ich freundlich grinsend den Wisch zurückgegeben und meine Unterschrift natürlich verweigert. “Gesicht zeigen gegen Rechts”, gerne auch mittels Unterschrift, gut und schön. Aber dann inhaltlich passend. Und nicht so ein gutmenschengetümeltes rumgeschwurbel.
Ausserdem bin ich gegen einen Ausschluss der beiden NPD-Flitzpiepen aus dem Stadtrat. Da würden nur zwei andere nachrücken. Denn als demokrötisch legitimierte Vertreter einer durchaus vorhandenen rechtsgesinnten Bevölkerungsgruppe haben die das Recht dort zu sitzen. Ob das einem nun gefällt oder nicht.
Es war nicht alles schlecht
Herrn noNsense seine Idee einmal 10 Jahre zurück zu schauen und sich seiner persönlichen musikalischen Einflüsse bewusst zu werden hat mir auf Anhieb gefallen. Darum machte auch ich mich daran eine Liste zu schreiben. Eine Zeitreise began, und so manch fast vergessenes Kleinod wurde wiederentdeckt.
Ich ordne das mal chronologisch nach Erscheinungsjahr, obgleich die gelisteten Alben nicht in dieser Reihenfolge in meine Wahrnehmung gedrängt sein müssen. Links zum schnellen reinhören und zur Band hab ich auch noch dazu getan.
Hier nun also der Versuch einer musikalischen Annäherung an meine letzten 10 Jahre.
Hekate – Sonnentanz (2000)
Ihren Ursprung im Neofolk sehend bietet die Koblenzer Band auf diesem Album Avantgardeklänge vermischt mit mittelalterlichen Versatzstücken, bombast Marschelementen und Texten dargebracht auf Englisch, Französisch, Deutsch und Jiddisch. Sehr ergreifende und kraftvolle Stücke mitunter.
Mono für alle – Mono für alle (2001)
Schlagzeug, Bass, Orgel und schriller Gesang. Mehr braucht es nicht um richtig geile Musick zu machen. Live das intensivste was ich bis dahin gesehen habe. Kontroverse Texte zwar (Amoklauf), aber dadurch hebt sich die Band wohltuend von der Masse ab. Für mich eins der besten Album der letzten 10 Jahre.
Hagalaz’ Runedance – Friggas Web (2002)
Ein Tonträger der wieder dem Neofolk zuzurechnen ist. Auf dieser Scheibe wird die Germanische Mythologie vertont und dem Umstand Rechnung getragen, dass die Sängerin Andrea „Nebel“ Haugen verschiedensten okkulten/naturreligiösen Gruppen angehört(e). Ruhige, fast schon rituelle Klänge ergänzen sich mit treibendem Trommelspiel.
Orplid – Nächtliche Jünger (2002)
Eine Perle des Neoklassischen Genres. Orplid aus Halle verstehen es vorzüglich zarten und gleichzeitig wortgewichtigen Gesang in bisweilen opulente Lieder zu verpacken, ohne dabei allzu kitschig zu wirken. Schlichte Gitarrensongs gibt es genau so zu hören wie verzerrte Sampleorgien.
Sonne Hagal – Helfahrt (2002)
Und noch einmal Akustikgitarren-betonte Musik, die aber gekonnt elektronische Samplerelemente einbindet. Diesmal etwas treibender und mehr nach vorne. Sehr schön auch der Einsatz der Geige.
Gewaltakustik – Schmerzwerk (2003)
Gewaltakustik ist ein Projekt welches sich den heftigeren Elektroschlagklängen verschrieben hat. Verzerrte Beats getragen von einer tanzbaren Melodie machen die Musik durchaus Klubtauglich. Und das Beste: die Alben gibt es gänzlich zum freien download auf deren Seite.
Pothead – Tuf Luv (2003)
Noch nie von denen gehört bis im Pirnaer Hanno ein Konzert als Ausweichgig mit denen angesetzt war. Riesige Boxentürme bis unter die Decke und ein seltsam-süßlicher Geruch in der Luft begrüßten mich. Der Name scheint Programm zu sein. Und wenn ein Sound es verdient als fett bezeichnet zu werden, dann der von Pothead. Tiefen Gitarrenakkorde und wummernde Bassläufe umrahmen gekonnt den markanten Gesang.
Forseti – Erde (2004)
Forseti aus Jena ist für mich persönlich DIE Band wenn es um deutschsprachigen Neofolk geht. Eindringliche Stücke die unter die Haut gehen gibt es zu hören, traumhaft schön arrangiert. Mit illustren Gästen wie Ian Read (Fire+Ice), Kim Larsen (:Of The Wand And The Moon:), Uwe Nolte (Orplid), B’eirth (In Gowan Ring) und Sonne Hagal wurde ein Album produziert welches für mich in dieser Zeit das vielleicht prägendste überhaupt war und den Abschluss des Schaffens von Forseti darstellte. Die Zusammenarbeit von so vielen namhaften Künstlern ist übrigens eine weit verbreiteter Sitte in der Neofolkszene. Man kennt und schätzt sich, und man hilft sich bei den Aufnahmen aus.
The Egyptian Gay Lovers – cazzo duro moto club (2004)
Schweine-Rock’n'Roll mit jeder Menge Super Sprit gepusht. Live gibt es zur Musik der ursprünglich aus Schiebock stammenden Junx immer ein ordentliches geschubse. Bei einem solchen Konzert wurde auch dieses Album erstanden, bzw. gab es das für die 5 Euro Eintritt mit dazu. Macht jede Menge Spaß der Silberling.
FabrikC – Gleichstrom (2005)
EBM-Industrial allererster Kajüte. Derbes Düstergehacke versetzt mit Sprachsamples aus verschiedensten Filmen. Geht gut ab. Alle Regler auf Anschlag und bei mir kommt Partystimmung auf.
Noisuf-X – Antipode (2005)
Ein Nebenprojekt von X-Fusion. Feinster Power Noise, voll auf die 12. Es darf getanzt werden. Clever ausgewählte Sprachsamples runden das Ganze ab.
Johnny Cash – American V (2006)
Ich gebe zu dass ich zu Johnny Cash wie wohl die meisten Leute meiner Generation erst über MTV gekommen bin. Da war er schon eine ganz große Nummer. Aber die wunderbar melancholischen Songs, die er auf diesem Album zum besten gibt, gehen vermutlich jedem ans Herz. Und erst einmal angefixt habe ich mir auch seine früheren Werke reingezogen und war begeistert. JC geht immer.
Proyecto Mirage – Gimme Your Energy (2006)
Melodisch-technioder Noise, treibende Beats und schrille Sirenen vereint zu einem Album, welches man trotz dieser wilden Mischung als massenkompatibel bezeichnen könnte. Beim Autofahren besser nur zu hören wenn die Geschwindigkeitsbegrenzung aufgehoben und die Piste frei ist.
Rummelsnuff – Halt Durch (2008)
Derbe Strommusik aus Dresden. Als er 2008 irgendwann in der Presse gehypt wurde dachte ich mir nur “omg, watt fürn Freak is das denn”. Optisch eher der Bodybuilder, überzeugte mich erst sein Auftritt beim Sommerfest, und später seine durchaus intelligenten Texte auf diesem seinen Debutalbum. Es geht um das Alleinsein und die Sehnsucht, Liebe und so Kram halt. Unerreicht das Devo-Cover “Mongoloid”.
Portishead – Third (2008)
Mit den ersten Alben von Portishead konnte ich zu großen Teilen nix anfangen. Mal abgesehen von der wundervollen Stimme Beth Gibbons. Aber dieses Album ist für mich von vorne bis hinten ein gelungenes Meisterwerk. Wie bei Machine Gun zum Ende hin diese 80er-Jahre Synthieorgel einsetzt ist grandios. In jedem anderen Kontext würde das lächerlich wirken, aber dort passt das einfach.
Kirlian Camera – Odyssey Europa (2009)
Die Itanliener haben sich in ihrer nun bald schon 30jährigen Geschichte immer mal wieder neu erfunden. Und deswegen mag ich diese Box wirklich sehr. Denn die Zusammenstellung ihres Gesamtschaffens auf 4 Silberlingen deckt alle wichtigen Phasen ab. Eher popigere Sachen gibt es genau so zu hören wie geschrieene Vertonungen von deutschen Expressionisten. Und auch ihre Ausflüge in den Neofolk sind dokumentiert. Wenn ich hier das Wort “Düsterpop” in den Mund nehme, dann durchaus wohlwollend. Die wahre Wirkung entfalltet diese Kombo aber erst live.
Linkwurst #07
Links der Woche: Dieses Video weil es einen coolen Soundtrack hat und witzig ist. Und dieses Filmchen erklärt danach das Phänomen Chatroulette zwar mit einem Augenzwinkern, aber durchaus fundiert.
http://www.liveleak.com/view?i=1e8_1266354773
http://www.ruthe.de/frontend/index.php?pic=1163&sort=datum&order=DESC
http://englishrussia.com/?p=10714
Die Sagen von den Zwergen im Cottaer Spitzberg
v. Burchardi in Poenicke, Album der Schlösser und Ritterburgen im Königreich Sachsen. Meißner Kreis. H. II. S. 23
Das früher den Burggrafen von Dohna gehörige Rittergut Cotta liegt am südöstlichen Rande der sächsischen Schweiz an einem Kalkmergelberge mit Basaltspitze an der nach Teplitz führenden Chaussee 1¼ Stunden von Pirna entfernt. Dieser sogenannte Cottaer Spitzberg, von dem man eine reizende Aussicht genießt, überragt den Ort selbst noch um 401 Fuß, und in diesem sollen noch heute einige Zwerge, sogenannte Querkse, hausen, die einzigen Ueberreste eines ganzen Volkes von gutmüthigen kleinen Wesen, die sowohl hier als im nahen Zwergloch des Hennersdorfer Wasserfalls wohnten. Einst hatte ein junges Mädchen, welcher einer derselben aus Liebe die Wohnung seiner Genossen am Wasserfalle gezeigt hatte, das Geheimniß in der Beichte verrathen, und in Folge dessen mußten alle fortziehen, worauf auch ihre Brüder aus dem Spitzberge sich ihnen anschlossen, mit Ausnahme der wenigen, welche zur Bewachung des großen im Spitzberge liegenden Schatzes zurückblieben. An einem düstern Novembermorgen, während ein dichter Nebel über der Erde lag, hörte man das Trippeln einer unzähligen Menge von kleinen Füßen, welche den Kirchweg herunter durch das Rottwernsdorfer Thal nach Pirna zogen und sich dort über die Elbe setzen ließen. Der Fährmann, der wegen des Nebels nicht sehen konnte, verlangte, als man ihm das „Hol’ über“ zurief, für jede Person einen Pfennig Fährgeld, und als er die kleinen Wesen übergesetzt hatte, da fand er soviele Pfennige in seinem Kahne, daß er sie nicht zählen konnte, sondern mit der Metze messen mußte und dadurch ein reicher Mann ward. Das Mädchen aber, welches das Geheimniß verrathen hatte, starb bald nachher an gebrochenem Herzen, doch Niemand weiß, ob jene einst, wie sie versprochen, wieder kommen werden, und dann der Bergbau im nahen Städtchen Berggießhübel wieder aufleben wird. Der Eingang zu der noch jetzt von den zurückgebliebenen Querksen bewohnten Höhle des Cottaer Berges ist nur alle 9 Jahre, wenn das umstehende Laubholz geschlagen ist, eine kurze Zeit und auch dann nur in beträchtlicher Entfernung vom Berge auf der südlichen Seite sichtbar, kommt man aber in die Nähe der wahrgenommenen Stelle, so ist die Oeffnung so mit Steinen versetzt, daß man irre wird und sie nicht wieder finden kann. Im Jahre soll aber die Höhle einen Tag lang für Jedermann offen stehen. Schade nur, daß Niemand weiß, wenn der Tag fällt.
Einst war eine Frau oben am Berge grasen, als gerade die Mittagssonne gewaltig heiß schien, so daß die Frau in das Gehölz ging, um etwas auszuruhen; da befand sie sich plötzlich vor einer offenstehenden Höhle, in welcher längs der Wände Bänke und in deren Mitte eine Tafel stand. Auf eine dieser Bänke setzte sie sich nieder, nahm aber dabei ihre Haube ab; nach einiger Zeit ging sie jedoch wieder an ihre Arbeit, vergaß aber ihre Haube mitzunehmen, und erst auf dem Heimwege dachte sie daran; sie kehrte zwar sogleich zurück, allein sie fand keine Höhle mehr und mußte ohne Haube nach Hause gehen. Da sie sich jedoch den Tag gemerkt hatte, wo ihr dies geschehen war, so kehrte sie das nächste Jahr an demselben Tage wieder an jenen Ort zurück, fand die Höhle offen, und auf demselben Orte, wo sie die Haube hingelegt hatte, da lag sie auch jetzt noch.
Ein anderes Mal ging eine Frau um Gras zu holen auf den Berg und nahm ihr kleines Kind mit, weil sie Niemand hatte, der es warten konnte. Auch sie fand die Höhle offen und darin eine Anzahl kleiner Männchen, welche sie bat, das Kind, während sie grase, in Obacht zu nehmen. Dies thaten diese auch, und als die Frau fertig war, gaben sie ihr ihr Kind zurück und außerdem eine Semmel, die sie, als sie nach Hause kam, in Gold verwandelt fand.
Einst ging eine arme Frau, die sich in schwerer Noth befand, auf den Cottaer Spitzberg, da trat aus dem Gebüsch ein kleines Männchen auf sie zu und drückte ihr ein Päcktchen in die Hand, welches sie aber vor Schrecken in die nahe dabei liegenden Steine schleuderte, später besann sie sich aber eines Bessern, kehrte zurück, fand zwar das Päcktchen nicht mehr, wohl aber unter den Steinen einige alte Silbermünzen.
Noch jüngst (1854) lebte in Cotta ein Mann, der behauptete, er sei als Knabe mit einem Schulkameraden auf dem Berge herumgeklettert und habe sich plötzlich vor der offenstehenden Höhle befunden; sie wagten aber nicht einzutreten, sondern liefen entsetzt den Berg hinunter, und konnten späterhin, trotz alles Suchens, die Stelle nicht wiederfinden.
Ebenso sah man in einer dunkeln Nacht drei Zwerge mit langen weißen Bärten in dem lange Zeit unbewohnten, nach der Abendseite gelegenen Eckzimmer des Cottaer Herrenhauses sitzen und bei dem in das Gemach fallenden Mondenlicht in einem großen Buche lesen. Vielleicht haben die öfters am Cottaer Berge gefundenen Bracteaten (oder Hohlmünzen) mit der darauf befindlichen Abbildung eines Mannes in sitzender Stellung und sehr dickem Kopfe Gelegenheit zu der Sage von den Schätze bewachenden Zwergen gegeben.
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 150-153
Quelle: Wikisource
Listenwahn der 10er Jahre
Ein neues Jahrzehnt ist angebrochen und beinah hab ich vergessen, dass ich dringend noch eine Liste machen muss: die (für mich) wichtigsten Alben des letzten Jahrzehnts.
Ich geh mal stark davon aus, dass es sich sehr schwierig gestalten wird, da in diesem Jahrzehnt auch der größte Teil meiner musikalischen Sozialisation stattfand, also ich alles aufsog wie ein Schwamm. Aber probieren kann ichs ja mal:
in ungeordneter Reihenfolge:
Tool – Lateralus (2001)
Ein Album, das, trotzdem ich es kaum noch höre, immer in meiner All-Time-Favourite-Liste auftauchen wird. Es ebnete für mich den Weg zu härterer und komplexerer Musik. Was daran so fasziniert? Die etwas jenseitige Atmosphäre, skalpellscharfe Riffs, Kälte und Sterilität.
Mother Tongue – Streetlight (2001)
Die beste Life-Band aller Zeiten. Herzzereißend, – erwärmend. Rockend.
Echolyn – Cowboy Poems Free (2000)
Das damals lang erwartete Reunion-Album einer Band, die das ausgelatschte Genre des Retro-Prog neu erfand und durch irrwitzige Ideen auf eine neue Stufe hob.
(außerdem is das Album gut, weil der Keyboarder den Weg von Quietsche-Synthies zu analogen Tasteninstrumenten findet – zum Glück ;-) )
Oceansize – Everyone Into Position (2005)
Am 2. Album scheiden sich die Geister, sagt mensch. Nun, „Oceansize“ gingen den kompromisslosen Weg weiter in Richtung Alternativ-New Artrock-Postrock und schufen einen Monolith, der nichts weniger als ein Gesamtkunstwerk darstellt und im majestätischen „Ornament/The Last Wrongs“ gipfelt, welches sicher jedem eine Gänsehaut den Rücken runtertreibt.
Trentemøller – The Last Resort (2006)
Selbst wer nichts von elektronischer Musik hält, MUSS in dieses Album reinhören. Der beinah klassische Musikstil, der verpackt wird in zarten und zerbrechlichen Beats und Klangcollagen, gehört in jedes Regal!
Thrice – Vheissu (2005)
Wenn jede Band eine solche Bandbreite der Entwicklung hinlegen würde wie „Thrice“ dann würde das Business etwas anders aussehen, denke ich. Vom Hard- und Emocore über Artrock hin zu komplexem elektronischem Gedöhns. Aber dabei niemals seine musikalischen Wurzeln vergessen!
The Mars Volta – De-Loused In The Comatorium (2003)
Der talentierte Teil der auseinandergebrochenen Hardcore-Punk-Band „At The Drive-In“ legten den Grundstein für dieses Monstrum von Band. Während auf der Bühne stundenlange Impro-Sessions vorherrschen, befinden sich auf diesem Album relativ strukturierte Lieder.
„The Mars Volta“ gefallen sich darin, selbst kreierte Strukturen aufzubrechen und jammend zu erweitern. Und wer hätte das gedacht: es funktioniert.
So werden eher punkige Alternative-Rock-Lieder zu Momenten wo der Progressive Rock der 70er oder sogar Krautrock a la „Amon Düül II“ oder „Embryo“ hervorschimmert.
Tja, das wären sie eigentlich: die Wichtigsten. Doch ehrenhalber müssen trotzdem genannt werden:
Opeth – Ghost Reveries, Riverside – Second Life Syndrome, Porcupine Tree – Deadwing, Pain Of Salvation – Be, Beardfish – Sleeping in Traffic Pt.1, Kante – Die Tiere sind unruhig, Escapado – Hinter den Spiegeln, Bat For Lashes – Fur and Gold, Aereogramme – Seclusion, We Insist! – Oh! Things Are So Corruptible

